Saas-Fee: das Gletscherdorf neben Zermatt
Zermatt & Wallis

Saas-Fee: das Gletscherdorf neben Zermatt

Saas-Fees Drehrestaurant auf dem Mittelallalin, Eispavillon, Sommerskilauf, autofreies Dorf – und der Preisvergleich mit Zermatt.

Quick facts

Reisezeit ab Interlaken
Etwa 2 Std. 10 Min. (Zug via Spiez und Visp, dann Postauto)
Tagesbudget
CHF 150–220 pro Person
Beste Reisezeit
Dezember–April zum Skifahren; Juni–September für Gletscher und Wandern
Empfohlene Zeit
Ein ganzer Tagesausflug oder 2–3 Nächte zum Skifahren
Best for
Skifahrer und Snowboarder, auch für sommerlichen Gletscherskilauf, Reisende, die hochalpine Bergkulisse ohne Zermatt-Preise suchen, Familien, die ein kompaktes, autofreies Dorf bevorzugen, Viertausender-Sammler
Best time to visit
Dezember bis April zum Skifahren; Juni bis September für Gletscherzugang, Wandern und klare Sicht
Days needed
1 Tag als Ausflug ab Interlaken; 2–3 Nächte, wenn Skifahren geplant ist
Quick Answer

Was unterscheidet Saas-Fee von Zermatt?

Saas-Fee ist ein kleineres, autofreies Gletscherdorf ohne Matterhorn, das Besuchermassen anzieht, weshalb Hotels, Liftkarten und Restaurants dort meist 10–20 % günstiger sind als in Zermatt. Die eigene Hauptattraktion ist der Mittelallalin auf 3'456 Metern mit dem höchstgelegenen Drehrestaurant der Welt und einem Eispavillon, der in den Feegletscher gehauen wurde.

Saas-Fee liegt ein Tal östlich von Zermatt, umringt von dreizehn Viertausendern, und ein guter Teil des Marketingbudgets fliesst in den Vergleich mit dem berühmteren Nachbarn. Der Vergleich ist durchaus berechtigt – beide sind autofrei, beide grenzen an ernstzunehmendes Gletschergelände, beide bauten ihre Tourismusindustrie auf die Bergsteigergeschichte des 19. Jahrhunderts –, doch Saas-Fee fehlt das Matterhorn.

Stattdessen bietet es den Mittelallalin, eine Bergstation auf 3’456 Metern mit dem höchstgelegenen Drehrestaurant der Welt, eine direkt ins Eis gehauene Gletschergrotte und ein Skigebiet, das im Sommer einige Lifte in Betrieb hält. Für Besucher mit Standort im Berner Oberland ist die Anreise weiter als nach Zermatt, der Name weniger bekannt – genau das macht den Ort ruhiger und spürbar günstiger.

Warum hierher statt nach Zermatt

Die ehrliche Antwort lautet: nicht unbedingt statt, sondern als Alternative, wenn einen Zermatts Preise oder Besucherandrang abschrecken, oder als zweite Station auf einer ausgedehnteren Wallis-Reise. Saas-Fees eigene Trümpfe stehen für sich. Der Feegletscher ist von den Dorfstrassen aus sichtbar – das trifft auf keinen Gletscher im Zentrum von Zermatt zu.

Das Drehrestaurant auf dem Mittelallalin vollführt etwa alle Stunde eine vollständige Umdrehung und bietet den Gästen dabei, ohne den Platz zu verlassen, eine langsame Rundschau über Dom, Täschhorn, Alphubel und den Rest des Viertausenderrings. Und weil Saas-Fee keinen einzelnen Postkartengipfel hat, der die globale Nachfrage antreibt, liegen Hotelpreise, Liftkarten und Restaurantrechnungen meist 10–20 % unter Zermatt bei vergleichbarer Qualität. Nach jedem Massstab ausserhalb der Schweiz bleibt es teuer – ein Budgetziel ist das nicht –, aber es ist die günstigere der beiden Optionen.

Man verzichtet dafür auf das Matterhorn selbst, auf die Aussicht der Gornergratbahn darauf und auf Zermatts grössere Restaurant- und Hotelszene. Wer beides möchte: Manche Besucher kombinieren einen Tag in jedem Ort, was allerdings zwei getrennte Etappen ab Visp und eine insgesamt längere Reise bedeutet. Für Skifahrer, die auch die Zermatter Seite mitnehmen möchten, decken die Seilbahnfahrt nach Testa Grigia und das Gornergratbahn-Ticket die beiden grossen Ausflüge auf Zermatter Seite ab – es sind aber eigenständige Ausflüge, unabhängig von allem in Saas-Fee, denn die beiden Orte sind nicht durch Lifte verbunden.

Anreise nach Saas-Fee ab Interlaken

Ins Saastal führt keine Bahnlinie, das ist der wichtigste praktische Unterschied zu einer Zermatt-Reise. Ab Interlaken Ost fährt der Zug via Spiez nach Visp – rund 1 Std. 10 Min. mit einmal, manchmal zweimal umsteigen. In Visp wechselt man, statt auf der Schmalspurstrecke Richtung Täsch und Zermatt weiterzufahren, auf ein Postauto, das über enge Kehren das Saastal hinauf nach Saas-Fee fährt, eine Fahrt von rund 50 Minuten. Insgesamt sollte man etwa 2 Std. 10 Min. für die Reise einplanen und die Anschlusszeiten vorher prüfen – das Postauto verkehrt seltener als der Zermatt-Zug, und wer eines um fünf Minuten verpasst, verliert leicht eine knappe Stunde.

Der Swiss Travel Pass deckt die Zugetappen ab und gewährt einen Rabatt auf das Postauto; die aktuellen Bedingungen sollte man vorab prüfen, da sich regionale Busrabatte häufiger ändern als das Schienennetz. Ein eigenes Auto braucht es nicht – ins Dorf selbst darf man ohnehin nicht hineinfahren, nur bis zum Parkplatz am Ortsrand –, sodass sich der Ausflug bequem mit öffentlichem Verkehr oder, bei einer Übernachtung, als Zug-plus-Bus-Anreise umsetzen lässt.

Mittelallalin und das höchstgelegene Drehrestaurant der Welt

Die Auffahrt gehört selbst zum Erlebnis. Vom Dorf aus steigt die Gondelbahn Alpin Express nach Felskinn auf rund 3’000 Meter. Von dort übernimmt die Metro Alpin – eine unterirdische Standseilbahn, die durch den Gletscher selbst gebohrt wurde, ein wirklich ungewöhnlicher Weg, die letzten paar hundert Höhenmeter zu überwinden. Sie erreicht die Oberfläche am Mittelallalin, 3’456 Meter, einem der höchsten ohne technisches Klettern erreichbaren Punkte der Alpen.

Oben dreht sich das Restaurant etwa einmal pro Stunde, sodass eine gewöhnliche Mittagspause einen vollen Rundblick über die umliegenden Viertausender bietet, ohne den Platz zu verlassen: Der Dom (4’545 Meter, der höchste vollständig auf Schweizer Boden liegende Gipfel), das Täschhorn, der Alphubel und das Allalinhorn sind an einem klaren Tag von Terrasse und Speisesaal aus zu sehen. Das Restaurant ist unverhohlen auf Touristen ausgerichtet – man sollte Resortpreise erwarten, etwa CHF 25–45 für ein Hauptgericht, sowie zu Stosszeiten Wartezeiten, sowohl im Winter als auch im Sommer –, doch die Aussicht ist der eigentliche Grund, nicht das Essen.

Auf der Terrasse ist die dünne Luft auf dieser Höhe spürbar; die meisten Besucher merken das eher als leichten Schwindel oder Kurzatmigkeit bei raschen Bewegungen denn als etwas Ernsthaftes, doch es lohnt sich, das Tempo anzupassen, besonders mit Kindern oder bei fehlender Höhengewöhnung.

Der Eispavillon und der Feegletscher

Direkt von der Mittelallalin-Station aus, ohne nach draussen zu treten, erreicht man den Eispavillon – eine Reihe von Tunneln und Kammern, die in den Feegletscher selbst geschlagen wurden und als grösster Eispavillon der Alpen beworben werden. Er ist im Preis des Lifttickets enthalten, nicht separat zu bezahlen, und bietet ein wirklich anderes Erlebnis als die meisten Gletscherausblicke der Region, die einen Gletscher von aussen zeigen, statt einen hindurchgehen zu lassen.

Zu erwarten sind kalte Luft, an manchen Stellen niedrige Decken, Eisskulpturen und Infotafeln zur Gletscherbildung sowie zum sichtbaren Rückgang des Feegletschers in den letzten Jahrzehnten – ein Rückgang, den man selbst erkennen kann, wenn man die heutigen Tunnel des Eispavillons mit älteren ausgestellten Fotografien vergleicht.

Der Besuch ist kurz, 20–30 Minuten in angenehmem Tempo, und lässt sich gut mit dem Mittagessen im Drehrestaurant und einem Spaziergang über die markierten Gletscheraussichtsflächen draussen kombinieren, sofern das Wetter mitspielt.

Skifahren am Mittelallalin – im Winter und im Sommer

Saas-Fees Skigebiet erstreckt sich über echtes vielfältiges Gelände, von dorfnahen Abfahrten bis hinauf zum Gletscher selbst, und anders als bei den meisten Alpenresorts bleibt ein Teil des Gletschergeländes oberhalb des Mittelallalin auch im Sommer mit reduziertem Betrieb geöffnet – meist eine Handvoll Lifte und ein paar Pisten statt des vollständigen Winternetzes. Es ist einer der wenigen Orte in den Alpen, an denen Sommerskilauf eine realistische Tagesausflugsoption ist und nicht nur eine Nischenaktivität für Renn-Trainingsgruppen, wenngleich die Öffnungszeiten kürzer und wetterabhängiger sind als im Winter und nicht an jedem Sommertag Lifte laufen – vor einer gezielten Auffahrt lohnt sich also eine Prüfung.

Im Winter sind die Bedingungen unkomplizierter: ein vollständiges Skigebiet für Anfänger bis Fortgeschrittene, dank der Gletscherbasis in der Regel zuverlässiger Schnee, und an ruhigeren Wochentagen kürzere Liftschlangen als in den grossen Namen-Resorts. Für Besucher ohne eigene Ausrüstung oder Erfahrung sind sowohl eine private Ski- oder Snowboardstunde als auch eine Gruppenlektion für alle Altersgruppen und Niveaus im Dorf buchbar – praktisch, wenn der erste Tag am Berg für Einsteiger geplant wird, statt bereits mit eigenem Lehrer anzureisen.

Wer eine Schweizer Skireise zwischen der Jungfrau-Region und dem Wallis aufteilen möchte, sollte Bedingungen und Passabdeckung vorab vergleichen, da Liftpässe in der Regel nicht gebietsübergreifend gelten.

Saas-Fee gegen Zermatt: der direkte Vergleich

Saas-FeeZermatt
HauptattraktionMittelallalin, Eispavillon, DrehrestaurantMatterhorn, Gornergrat, Klein Matterhorn
Höchster erreichbarer Punkt3’456 m (Mittelallalin)3’883 m (Matterhorn Glacier Paradise)
Typische HotelkostenRund 10–20 % unter ZermattDie höchsten in der Region
Andrang zur HochsaisonBelebt, aber überschaubarSehr belebt, besonders mittags am Gornergrat
BahnanschlussKeiner – Zug bis Visp, dann PostautoDirekte Schmalspurbahn ab Visp/Täsch
Autofreies DorfJaJa
Sommerlicher GletscherskilaufJa, eingeschränkte ZeitenNein

Kein Ziel ist günstig; der Unterschied liegt im Grad, nicht in der Art. Wenn der Preis den Ausschlag gibt und man nicht ausdrücklich das Matterhorn braucht, ist Saas-Fee die nachsichtigere Wahl.

Das Dorf selbst

Saas-Fee wirkt auf Strassenniveau kleiner und ruhiger als Zermatt, mit einem kompakten Zentrum aus Chalet-Hotels, Ski- und Outdoor-Geschäften sowie einer Handvoll Restaurants mit Walliser Spezialitäten – Raclette, Trockenfleischplatten und Rösti stehen auf den meisten Speisekarten weit oben. Es liegt im Saastal, dem Tal der Saas, neben drei kleineren Orten – Saas-Grund, Saas-Almagell und Saas-Balen –, die bei weitem nicht Saas-Fees Besucherzahlen erreichen, dafür aber ruhigere Standorte mit eigenen, kleineren Liftanlagen bieten, wenn man Talzugang ohne Resortstimmung sucht.

Autos bleiben in einem Parkhaus am Dorfrand stehen; von dort ist es ein kurzer Fussweg oder eine Fahrt mit dem Elektrotaxi zu den meisten Hotels – ein System, das genauso in Zermatt und in den autofreien Dörfern des Lauterbrunnentals im Berner Oberland funktioniert. Den Gepäcktransfer zwischen Parkplatz und Hotel übernimmt meist das Hotel selbst, statt ihn den Gästen bergauf zu überlassen.

Reicht ein Tagesausflug, oder sollte man übernachten?

Realistisch betrachtet bleibt nach der Hin- und Rückreise ab Interlaken – etwas mehr als vier Stunden insgesamt – noch vier bis fünf Stunden für Saas-Fee selbst, sobald man Liftschlangen und Anschlüsse einrechnet. Das reicht für Alpin Express und Metro Alpin hinauf zum Mittelallalin, etwa eine Stunde oben für Eispavillon und Verpflegung sowie einen kurzen Rundgang durchs Dorf, bevor man wieder hinunterfährt, um das rückwärtige Postauto nach Visp zu erreichen. Zum richtigen Skifahren reicht die Zeit nicht, und es ist ein langer Tag für einen einzigen Berg, wenn Interlakens eigene Gipfel – Schilthorn, Jungfraujoch, Harder Kulm – deutlich näher liegen.

Wer Ski fahren oder den Besuch ruhiger, ohne Zeitdruck erleben möchte, bucht besser ein oder zwei Nächte im Dorf selbst, statt es als einzelnen langen Tagesausflug ab Interlaken zu behandeln. Auch als Teil einer grösseren Wallis-Rundreise – kombiniert mit Zermatt, Sitten oder einer weiteren Schweiz-Route – ergibt der Besuch mehr Sinn als als eigenständiger Tagesausflug zwischen Ausflügen im Berner Oberland.

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