Der Rheinfall ist keine Kleinigkeit. Bei Neuhausen am Rheinfall, nahe Schaffhausen im Norden der Schweiz, verengt sich der gesamte Rhein und stürzt über eine 150 Meter breite, 23 Meter hohe Kalksteinstufe – mit bis zu 600 Kubikmetern Wasser pro Sekunde während der Frühjahrsschneeschmelze –, was ihn dem Volumen nach zum größten Wasserfall Europas macht. Von Interlaken aus ist es eine wirklich lange Reise, gut drei Stunden pro Strecke, weshalb er sich vor allem dann lohnt, wenn man ohnehin einen Tag in Zürich oder Basel verbringt und ihn dort einbauen kann, statt ihn als eigenständigen Ausflug zu behandeln.
Die Ausmaße: Breite, Fallhöhe und Wasserführung
Der Wasserfall entstand vor etwa 14.000 bis 17.000 Jahren, als die letzte Eiszeit den Rhein über ein Band aus hartem Kalkstein umleitete, das die weicheren Gesteine drumherum bereits abgetragen hatten. Das Ergebnis ist kein einzelner hoher Sturz wie bei einer alpinen Kaskade, sondern eine breite, brodelnde Wasserwand: 150 Meter Breite, 23 Meter Fallhöhe, und ein Getöse, das man von den Plattformen aus hört, bevor man das Wasser überhaupt sieht.
Die Wasserführung schwankt stark mit den Jahreszeiten. Die Frühjahrsschneeschmelze aus den Alpen treibt den Durchschnitt auf bis zu 600 Kubikmeter pro Sekunde, in nassen Jahren mitunter noch höher – dann wirkt der Wasserfall am eindrucksvollsten, und die Gischt reicht am weitesten auf die Aussichtsplattformen hinauf. Im Spätsommer lässt die Wasserführung meist nach, und in einem kalten, trockenen Winter kann sie auf einen Bruchteil davon sinken – sehenswert ist der Wasserfall trotzdem, nur ruhiger und mit weniger Gischt. Der Rhein tut hier, was er seit der Eiszeit tut: Nichts hier ist künstlich angelegt oder für Besucher angeschaltet, weshalb sich ein Blick auf die aktuelle Wasserführung lohnt, bevor man die lange Zugfahrt antritt.
Die beiden Rheinufer: Welche Seite besuchen?
Der Wasserfall liegt zwischen zwei Kantonen, und die beiden Ufer unterscheiden sich genug, dass die meisten Besucher am Ende beide sehen.
| Ufer | Kanton | Was es dort gibt | Zugang |
|---|---|---|---|
| Schloss Laufen (Süden) | Zürich | Plattform Fischetz auf Wasserhöhe, Schlosshof, Restaurant, Standseilbahn | Bahnhof Laufen-Uhwiesen oder Schloss Laufen |
| Neuhausen am Rheinfall (Norden) | Schaffhausen | Restaurant Schlössli Wörth am Wasser, Park, kostenlose Klippenwege | Bahnhof Neuhausen Rheinfall |
Schloss Laufen bietet die nächste Annäherung ans Wasser. Vom Schlosshof aus führen Wege und eine kurze Standseilbahn hinunter zur Plattform Fischetz, die fast auf Gischthöhe nur wenige Meter vom Hauptwasservorhang entfernt liegt – bei hoher Wasserführung wird man dort tatsächlich nass, nicht nur leicht besprüht. Es ist der beste Aussichtspunkt am gesamten Wasserfall und der, von dem aus die meisten Fotos entstehen.
Neuhausen am Rheinfall, auf dem gegenüberliegenden Ufer, ist ruhiger und größtenteils kostenlos. Das Restaurant Schlössli Wörth steht direkt am Wasser mit einer Terrasse, die zum Felsen und zum gegenüberliegenden Ufer hinüberblickt, und mehrere Klippenwege bieten weite Aussichten ganz ohne Eintritt. Von hier starten auch die meisten Bootsüberfahrten.
Beide Seiten zu sehen bedeutet, den Fluss zu überqueren – und dafür gibt es die Boote.
Das Boot zum mittleren Felsen
Ein Verbund kleiner Passagierboote verkehrt in der Saison ununterbrochen, kreuzt durch das Becken unterhalb des Wasserfalls und verbindet Schloss Laufen, Neuhausen und den Felsen mitten im Wasserfall selbst. Die Überfahrt zwischen den beiden Ufern dauert nur wenige Minuten; die Bootsfahrt zum Felsen und zurück, mit einem Stopp zum Aufstieg über die Treppen zur kleinen Plattform obenauf, ist diejenige, für die die meisten Besucher bezahlen – für rund CHF 8 bis 10 hin und zurück.
Schwimmwesten werden gestellt, und die Fahrt ist kurz und unkompliziert statt einer richtigen Kreuzfahrt, aber auf dem Felsen zu stehen, mit dem gesamten breiten Wasserfall auf beiden Seiten, kommt dem Gefühl, im Wasserfall selbst zu stehen, am nächsten. In der Hochsaison bilden sich um die Mittagszeit Warteschlangen, ein früher oder später Besuch vermeidet also das Anstehen. eine kurze Bootstour durch das Rheinfallbecken, inklusive Überfahrt zum Felsen ist die einfachste Art, die Überfahrt im Voraus zu buchen, statt an der Anlegestelle anzustehen.
Für einen ausführlicheren Blick aufs Wasser jenseits dieses einen Stopps behandeln der Guide zu Bootsfahrten auf dem Vierwaldstättersee und die Raddampfer des Berner Oberlands die gemächlicheren Seerundfahrten näher bei Interlaken, die eine ganz andere Erfahrung sind als diese kurze, wellige Flussüberfahrt.
Schloss Laufen: die Burg über dem Wasserfall
Schloss Laufen geht auf das Mittelalter zurück, wobei der heutige Bau größtenteils aus dem 12. bis 17. Jahrhundert stammt, und liegt direkt über der Plattform Fischetz am Südufer. Ein Teil des Schlosses beherbergt heute eine Jugendherberge, und es gibt ein Restaurant mit Terrasse, die auf den Wasserfall blickt – ein guter Mittagsstopp, sofern man ihn vor dem Ansturm der Reisebusse um die Mittagszeit einplant. Der Eintritt zu den Plattformen und zur Standseilbahn ist kostenpflichtig, Erwachsenentickets liegen meist im Bereich von CHF 5; der Schlosshof selbst und die Klippenwege drumherum sind kostenlos begehbar.
Die Standseilbahn hinunter nach Fischetz erspart eine ziemlich steile Treppe und ist die kleine Zusatzgebühr wert, wenn man mit Kindern, älteren Angehörigen unterwegs ist oder schlicht nicht in nassen Kleidern zurückklettern möchte.
Schaffhausen und der Munot
Schaffhausens Altstadt ist mit lokalem Zug oder Bus 10 bis 15 Minuten von Neuhausen am Rheinfall entfernt und den zusätzlichen Stunden oder zwei durchaus wert, wenn die Zeit reicht. Die Altstadt gehört zu den besser erhaltenen im deutschsprachigen Teil der Schweiz, mit Erkerfenstern, bemalten Fassaden und einem kompakten Kern, den man in etwa einer Stunde durchqueren kann.
Über der Stadt thront der Munot, eine kreisrunde Festung aus dem 16. Jahrhundert, die von Zwangsarbeitern errichtet wurde, nachdem Schaffhausen durch das Verlassen der alten eidgenössischen Verteidigungsbündnisse angreifbar geworden war. Der Eintritt ist kostenlos, man erreicht die Anlage über eine begehbare Rampe statt über Treppen, und vom flachen Dach hat man einen weiten Blick über die Dächer der Altstadt und hinunter zum Rhein. Schaffhausen pflegt bis heute die Tradition, dass im Sommer jeden Abend ein Türmer vom Turm aus ins Horn bläst. Die Kombination von Wasserfall, Schaffhausen und Munot macht aus einem zweistündigen Stopp einen bequemen halben Tag. einen Halbtagesausflug ab Zürich, der den Rheinfall mit dem historischen Schaffhausen verbindet deckt beides mit einer Buchung ab, wenn man die lokalen Verbindungen nicht selbst planen möchte.
Mehr zur Stadt selbst finden sich auf den Destinationsseiten zu Schaffhausens Nachbarstadt Winterthur und zum befestigten Flussstädtchen Stein am Rhein weiter flussaufwärts, das sich mit einem Rheinfall-Tag gut verbinden lässt, wenn man ein Auto hat oder eine weitere Zugetappe einplant.
Anreise ab Interlaken
Daran gibt es nichts schönzureden: Der Rheinfall ist ein langer Tagesausflug ab Interlaken, kein schneller Abstecher. Die Standardroute führt von Interlaken Ost nach Zürich HB, dann mit einem Anschlusszug (Regio oder InterCity) Richtung Schaffhausen, mit Ausstieg in Neuhausen Rheinfall (für das Nordufer) oder eine Station weiter in Schloss Laufen (für das Südufer und das Schloss).
| Etappe | Ungefähre Dauer |
|---|---|
| Interlaken Ost → Zürich HB | Etwa 2:05 Std. |
| Zürich HB → Neuhausen Rheinfall / Schloss Laufen | Etwa 40–50 Minuten |
| Gesamt, einfache Strecke | Etwa 2:50–3 Std. |
Das ergibt eine Hin- und Rückfahrt von 5,5 bis 6 Stunden reiner Reisezeit, weshalb die meisten diesen Ausflug als Teil eines Zürich- oder Basel-Tages behandeln statt als eigenen Ausflug ab Interlaken. Wenn Zürich ohnehin auf dem Programm steht, siehe den Ein-Tages-Guide für Zürich ab Interlaken und den Rheinfall als Halbtagesabstecher von dort einplanen, statt zweimal über Interlaken zurückzufahren. Bei Anreise über den Flughafen Zürich eignet sich der Rheinfall zudem gut als erster oder letzter Stopp vor oder nach Interlaken, da Neuhausen Rheinfall an derselben Bahnstrecke liegt.
Ein Swiss Travel Pass deckt die Zugetappen ab, die lokale Bootsüberfahrt zum Felsen ist ein kleiner Zusatzposten aus eigener Tasche; siehe den Überblick zu Zügen, Bussen und Booten rund um Interlaken, wenn man dies in eine größere Reiseroute einbaut und wissen möchte, wie es mit anderen Pässen zusammenpasst.
Wenn einem die Logistik von Zügen und Anschlüssen mehr Aufwand erscheint, als das Ziel wert ist, nimmt eine private Tour zum Rheinfall mit Hotelabholung die Planung ab, allerdings zu einem höheren Preis als die eigenständige Zugreise.
Was es kostet: ein Tag am Rheinfall
Die Schweiz ist teuer, und die Rheinfall-Region bildet da keine Ausnahme, auch wenn der Wasserfall selbst günstiger zu besichtigen ist als die meisten Ausflüge rund um Interlaken, da die besten Aussichtspunkte kostenlos oder günstig sind.
| Posten | Ungefähre Kosten (CHF) |
|---|---|
| Retourzug Interlaken Ost–Neuhausen Rheinfall (2. Klasse, ohne Pass) | 100–130 |
| Plattform Fischetz und Standseilbahn, Schloss Laufen | 5–6 |
| Boot zum mittleren Felsen, retour | 8–10 |
| Mittagessen im Schlössli Wörth oder Restaurant Schloss Laufen | 25–35 |
| Kaffee oder Snack | 6–10 |
Rechnet man einen Retourzugpreis ohne Vergünstigungs-Pass, die Plattform und das Boot sowie ein bescheidenes Mittagessen zusammen, landet ein Tagesausflug für eine Person bei etwa CHF 130 bis 180 insgesamt – der größte Teil davon der Zug. Ein Swiss Travel Pass oder eine Halbtax-Karte senkt die Transportkosten merklich, wenn man ohnehin plant, einen davon anderswo auf der Reise zu nutzen; siehe den Guide zu den Reisekosten rund um Interlaken dazu, wie sich das gegenüber einem einzelnen langen Ausflug wie diesem aufwiegt.
Beste Besuchszeit
Mai und Juni bringen die volle Wasserführung dank alpiner Schneeschmelze und das längste Tageslicht für Fotos – aber auch die größten Reisebus-Menschenmassen um die Mittagszeit. Ein Besuch vor 10 Uhr oder nach 16 Uhr vermeidet den größten Andrang an der Plattform Fischetz und der Bootsanlegestelle. Spätsommer und Frühherbst bringen eine ruhigere Wasserführung, aber spürbar weniger Andrang und können die entspanntere Wahl sein, wenn die Wassermenge einem weniger wichtig ist als Platz auf den Plattformen.
Im Winter ist die Wasserführung deutlich geringer, und der Wasserfall friert selten vollständig zu, sodass ein Winterbesuch weiterhin möglich ist – allerdings reduzieren einige saisonale Bootsdienste in den kältesten Monaten ihren Fahrplan oder stellen den Betrieb ein, also vorher prüfen, falls ein Winterbesuch von der Bootsüberfahrt abhängt.
Kombination mit Basel oder Zürich
Wegen der Reisezeit ab Interlaken ergibt der Rheinfall mehr Sinn, wenn man ihn an einen Zürich- oder Basel-Tag anhängt, statt ihn allein zu besuchen. Ab Zürich sind der Wasserfall und Schaffhausen zusammen ein bequemer halbtägiger Rundausflug. Ab Basel führt die Verbindung rheinaufwärts und dauert etwas länger, erlaubt aber, den Tag rund um den Fluss selbst zu gestalten – Basels Altstadt und Museen am Vormittag, der Wasserfall am Nachmittag. eine Stadtführung, die die wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Basels Altstadt abdeckt ist eine sinnvolle Möglichkeit, den Basel-Teil dieser Kombination zu nutzen, wenn die Planungszeit knapp ist. Zu den Museen selbst siehe den Tagesausflug-Guide zu Basels Kunstmuseen.
Wer eine längere Reise rund um Interlaken mit mehreren Tagesausflügen wie diesem plant, findet in der siebentägigen Reiseroute mit Tagesausflügen und im allgemeinen Guide zu Tagesausflügen ab Interlaken Hilfe dabei, die langen Ausflüge wie den Rheinfall gegen kürzere, näher gelegene Optionen zu ordnen, damit nicht zwei Drei-Stunden-Zugtage aufeinanderfolgen.
Die Kategorien Panoramazüge und Tagesausflüge listen Alternativen, falls der Rheinfall nicht in den Zeitplan passt. Lesenswert ist zudem der Guide zu den häufigsten Fehlern von Erstbesuchern, bevor man einen ganzen Tag für ein einzelnes, weit entferntes Ziel einplant, denn die Reisezeit hierher überrascht einige, die annehmen, in der Schweiz liege alles nah beieinander.
Im Vergleich zu den näheren, höher gelegenen alpinen Sehenswürdigkeiten rund um Interlaken bietet der eigene Rheinfall-Tagesausflug-Guide ausführlichere Beispielpläne, um dies mit Schaffhausen, Zürich oder Basel zu kombinieren, je nach Ausgangspunkt.
Rheinfall-FAQ: Ufer, Boote und Anreise ab Interlaken
Wie kommt man von Interlaken zum Rheinfall?
Mit dem Zug von Interlaken Ost nach Zürich HB (etwa 2:05 Std.), dann mit einem Anschlusszug Richtung Schaffhausen, Ausstieg in Neuhausen am Rheinfall oder Schloss Laufen. Die gesamte Reisezeit beträgt pro Strecke rund 2:50 bis 3 Stunden, also den Großteil eines Tages einplanen.
Welche Seite des Rheinfalls sollte man besuchen, Schloss Laufen oder Neuhausen?
Schloss Laufen, am Südufer im Kanton Zürich, bietet die wassernächsten Plattformen und das Schloss selbst. Neuhausen am Rheinfall, am Nordufer im Kanton Schaffhausen, hat das Restaurant Schlössli Wörth am Wasser und leichter zugängliche kostenlose Aussichtspunkte. Beide Seiten zu besuchen, verbunden durch das Boot, ergibt das vollständigste Bild.
Kommt man ganz nah an den Rheinfall heran?
Ja. Die Plattform Fischetz unterhalb von Schloss Laufen bringt einen wenige Meter an den Hauptwasservorhang heran und wird bei hoher Wasserführung von der Gischt nass. Ein separates Boot setzt zudem Passagiere auf dem Felsen mitten im Wasserfall ab, mit einer Aussichtsplattform obenauf.
Wie viel kostet ein Besuch des Rheinfalls?
Die wichtigsten Aussichtspunkte auf beiden Seiten sind kostenlos zu Fuß erreichbar. Die Plattform Fischetz und die Standseilbahn ab Schloss Laufen kosten eine kleine Eintrittsgebühr, und das Boot zum mittleren Felsen kostet rund CHF 8 bis 10 hin und zurück. Ein halbtägiger Besuch mit Boot, Schlossplattformen und einem Kaffee kostet in der Regel CHF 30 bis 50 pro Erwachsenem, ohne Anreise.
Lohnt sich der Rheinfall, wenn man das Jungfraujoch oder die Trümmelbachfälle bereits gesehen hat?
Es ist eine völlig andere Art von Naturschauspiel: nicht hoch oder alpin, sondern breit, laut und hautnah – und mit der größten durchschnittlichen Wassermenge der größte Wasserfall Europas. Die lange Zugfahrt lohnt sich vor allem, wenn man ohnehin nach Zürich oder Basel unterwegs ist und den Rheinfall in diese Reise einbauen kann, statt ihn als eigenständigen Ausflug ab Interlaken zu behandeln.
Wie stark ist die Wasserführung am Rheinfall und wann ist sie am stärksten?
Die durchschnittliche Wasserführung liegt bei einigen Hundert Kubikmetern pro Sekunde und steigt während der Frühjahrsschneeschmelze, typischerweise im Mai und Juni, auf rund 600 Kubikmeter pro Sekunde an; in einem trockenen Winter sinkt sie auf einen Bruchteil davon. Der Wasserfall fließt das ganze Jahr über und friert nur selten vollständig zu.
Lässt sich der Rheinfall mit Schaffhausens Altstadt verbinden?
Ja, und das sollten die meisten Besucher auch tun. Schaffhausens Altstadt ist mit Zug oder Bus 10 bis 15 Minuten von Neuhausen am Rheinfall entfernt, mit der Festung Munot einen kurzen Fußweg darüber, und der gesamte Zusatz nimmt etwa einen halben Tag in Anspruch.


