Schifffahrt auf dem Thunersee: Haltestellen, der Dampfer und Tageskarten
Wie funktioniert die Schifffahrt auf dem Thunersee?
Die BLS betreibt Linienschiffe rund um den Thunersee zwischen Thun und Interlaken West, mit Halt in Orten wie Spiez, Oberhofen und Beatenbucht. Eine Tageskarte deckt beliebig viele Haltestellen ab und kostet weniger als zwei oder drei Einzelfahrten; der historische Raddampfer Blümlisalp verkehrt nach einem eingeschränkten Sommerfahrplan, und im Winter reduziert sich der Betrieb auf wenige tägliche Fahrten auf der Hauptstrecke.
Der Thunersee wirkt nach einem einzigen naheliegenden Bootsausflug – bis man tatsächlich versucht, einen zu planen: Es gibt zwei Bahnhöfe am See, die man auseinanderhalten muss, ein Dutzend mögliche Haltestellen, einen historischen Dampfer, der nur an manchen Tagen fährt, und ein Tarifsystem, bei dem das “günstige” Ticket nicht immer die Tageskarte ist. Hier steht, was der Fahrplan tatsächlich hergibt, nicht die Broschürenversion.
Welche Schiffe fahren und wer sie betreibt
Die Flotte auf dem Thunersee wird von der BLS betrieben, demselben regionalen Anbieter, der auch die Bahnlinie Bern–Interlaken und die Schiffe auf dem Brienzersee führt. Die meisten Schiffe sind moderne dieselelektrische Katamarane und Motorschiffe mit Platz für 200 bis 800 Passagiere, offenen Oberdecks, einem kleinen Bordbuffet und auf den meisten Fahrten Platz für Fahrräder.
Die Schiffe legen ab Interlaken West ab, dem Bahnhof näher am Höheweg und dem Stadtzentrum, nicht ab Interlaken Ost – eine Unterscheidung, die viele überrascht, da von Ost aus die Jungfraubahnen und die Boote auf dem Brienzersee abfahren. Wer die beiden Bahnhöfe bei einem knappen Anschluss verwechselt, muss 15 bis 20 Minuten quer durch die Stadt laufen oder ein Taxi nehmen.
Die Standardstrecke führt über die gesamte Länge des Sees zwischen Thun und Interlaken West, rund 18 Kilometer, was bei einer durchgehenden Fahrt etwa zwei Stunden dauert. Die meisten Abfahrten halten nur an einer Auswahl der Zwischenstationen statt an allen, sodass dieselbe Strecke “Thun nach Interlaken” je nach Schiff zwischen 55 Minuten auf einer direkten, expressartigen Fahrt und über zwei Stunden auf einem Schiff, das sich an beiden Ufern entlang arbeitet, dauern kann.
Die Haltestellen und was man dort tatsächlich ansieht
| Stop | Side of lake | What’s there |
|---|---|---|
| Interlaken West | East end | Stadtzentrum, Höheweg, Bahnanschlüsse |
| Neuhaus | East end | Kleine Anlegestelle, nahe Unterseen |
| Beatenbucht | North shore | Beatushöhlen, Standseilbahn hinauf nach Beatenberg |
| Merligen | North shore | Ruhiges Seedorf, Sigriswil am Hang darüber |
| Gunten | North shore | Kleiner Ferienort, Palmen an der Promenade |
| Oberhofen | North shore | Wasserschloss, Dorf Oberhofen |
| Hilterfingen | North shore | Villa Rose, ruhiger als Oberhofen |
| Thun | West end | Altstadt, Schloss Thun, Aareausfluss |
| Spiez | South shore | Schloss Spiez und Rebterrassen, Dorf Spiez |
| Faulensee | South shore | Kleines Dorf, Badestelle am See |
| Leissigen | South shore | Rebhänge, ruhige Haltestelle |
| Därligen | South shore | Kleiner Halt nahe Interlaken, wenige Fahrten |
Oberhofen ist die Haltestelle, um die herum die meisten Leute ihren Ausflug planen: Das Wasserschloss steht direkt am See und ist in unter fünf Minuten von der Anlegestelle aus zu Fuss erreichbar. Spiez erfüllt am Südufer denselben Zweck, mit eigenem Schloss und Rebterrassen, die die meisten Bootsausflügler von der Station aus nie zu Fuss erreichen. Beatenbucht ist aus einem anderen Grund wichtig – von dort startet die Standseilbahn hinauf nach Beatenberg, dazu weiter unten mehr.
Die Blümlisalp: der letzte Raddampfer auf dem Thunersee
Die Blümlisalp ist ein kohlebefeuerter Raddampfer, Baujahr 1906, eines der letzten funktionstüchtigen Exemplare seiner Art auf Schweizer Seen. Sie wurde über mehrere Jahre restauriert und wieder in Betrieb genommen, mit ihrer ursprünglichen Dreifachexpansions-Dampfmaschine, die weiterhin ihre Arbeit verrichtet und durch ein Glasfenster an Deck für Interessierte einsehbar ist. Sie ist langsamer und lauter als die modernen Katamarane – genau das ist der Punkt für alle, die sie gezielt suchen.
Der Haken ist der Fahrplan: Die Blümlisalp fährt nicht täglich. Sie verkehrt in der Regel nach einem reduzierten Programm an Wochenenden und Feiertagen zwischen Mai und Oktober, gelegentlich ergänzt durch eine thematische Abendfahrt oder Brunchfahrt in der Hochsaison. Im Winter ist sie vollständig ausser Betrieb. Wer gezielt mit dem Dampfer fahren möchte statt einfach von A nach B zu kommen, sollte den aktuellen Saisonfahrplan der BLS vor der Planung prüfen – an einem beliebigen Dienstag aufzutauchen und die Schaufelräder zu erwarten, endet meist mit einem gewöhnlichen Katamaran.
Tickets: Einzelfahrten versus Tageskarte
Die Tickets für den Thunersee funktionieren standardmässig als Punkt-zu-Punkt-Fahrten, nach Distanz in der üblichen Schweizer CHF-pro-Zone-Logik bepreist. Eine kurze Strecke, etwa Interlaken West nach Beatenbucht, kostet wenige Franken; die gesamte Strecke von Interlaken nach Thun in der zweiten Klasse liegt bei rund CHF 40 pro Erwachsenem und einfacher Fahrt, in der ersten Klasse entsprechend mehr. Eine Tageskarte für den Thunersee mit unbegrenzten Haltestellen für den ganzen Tag lohnt sich in der Regel, sobald man mehr als zweimal ein- und aussteigen möchte – etwa Oberhofen für das Schloss, weiter nach Thun für die Altstadt und dann eine Rückfahrt. Darunter ist ein Einzel- oder Retourticket für die konkrete Haltestelle meist günstiger als die Tageskarte. Wer zusätzlich eine Fahrt auf dem Brienzersee plant, spart mit einer kombinierten Tageskarte für die Schiffe auf Thuner- und Brienzersee den Kauf zweier separater Karten.
Der Swiss Travel Pass deckt die Schiffe auf dem Thunersee in der gebuchten Klasse ab, ebenso ein regionaler Berner Oberland Pass oder Jungfrau Travel Pass an den gültigen Tagen – siehe den Swiss Travel Pass Guide für den Vergleich der Pässe. Eine Half Fare Card gewährt 50% Ermässigung auf Punkt-zu-Punkt-Tickets und die Tageskarte, macht die Fahrt aber nicht kostenlos, und muss vor dem Einsteigen gekauft und entwertet werden.
Als langsamere, geführte Alternative zum Linienfahrplan bietet eine private dreistündige Bootstour auf dem Thunersee mit Verpflegung statt fester Haltestellen eine auf die Gruppe zugeschnittene Route – praktisch für Familien oder kleine Gruppen, die Schlösser und Dörfer sehen möchten, ohne sich nach einem öffentlichen Fahrplan zu richten.
Kombination von Schiff und Beatenberg-Bahn
Die Kombination aus Schiff und Standseilbahn, die tatsächlich genutzt wird, lautet: Schiff ab Interlaken West bis Beatenbucht, dann die Standseilbahn hinauf nach Beatenberg auf dem Grat über dem See, von wo eine Seilbahn weiter nach Niederhorn auf 1.950 Metern führt, mit Panoramablick über beide Seen. Die Standseilbahn fährt nicht durchgehend – je nach Saison alle 15 bis 30 Minuten –, sodass ein Schiff, das kurz nach der Abfahrt der Bahn in Beatenbucht ankommt, eine echte Wartezeit statt eines nahtlosen Anschlusses bedeutet. Ein Puffer von 20 Minuten verhindert das Herumstehen an der Anlegestelle.
Diese Kombination funktioniert als eigenständiger Halbtagesausflug oder als Teil einer längeren Schleife, die über Sigriswil und Merligen auf der Strasse oder mit einem anderen Schiff zurück nach Interlaken führt. Sie ist zudem eine der effizientesten Möglichkeiten, einem Bootstag einen echten Aussichtspunkt hinzuzufügen, ohne dieselbe Strecke doppelt zu fahren.
Winterfahrplan: was tatsächlich fährt
Das ist der Punkt, der alle überrascht, die zwischen November und März reisen und die Sommerbroschüre erwarten. Der Winterbetrieb auf dem Thunersee reduziert sich auf wenige tägliche Fahrten – oft nur zwei oder drei Hin- und Rückfahrten – auf der Hauptstrecke Thun–Interlaken mit Halt nur an den wichtigsten Stationen. Kleinere Anlegestellen wie Faulensee, Leissigen und Därligen schliessen in der Regel für die Saison, und die Blümlisalp fährt im Winter überhaupt nicht. In manchen Jahren wird der Betrieb für einige Wochen um den Jahreswechsel ganz eingestellt, für Wartungsarbeiten.
Wer eine Bootsfahrt auf dem Thunersee im Winter plant, sollte den veröffentlichten Winterfahrplan der BLS für genaue Daten und Abfahrtszeiten prüfen, statt eine leicht abgespeckte Version des Sommerfahrplans anzunehmen – die Reduktion ist erheblich, nicht nur jede zweite Fahrt weniger. Für einen breiteren Überblick, was in der Nebensaison sonst noch geht, siehe Interlaken bei schlechtem Wetter, mit Indoor-Alternativen für Tage, an denen eine Seefahrt ohnehin nicht praktikabel ist.
Praktische Tipps
Online buchen oder vor Ort kaufen. BLS-Bootstickets müssen von Einzelreisenden nicht im Voraus gebucht werden; sie sind am Schalter der Anlegestelle, am Automaten oder online im Voraus erhältlich, letzteres empfiehlt sich bei grösseren Gruppen. Fahrräder sind auf dem offenen Unterdeck meist gegen einen kleinen Aufpreis erlaubt, je nach Platz.
Bei der Fahrt Richtung Westen auf der Nordseite sitzen. Für Fotos vom Schloss Oberhofen und dem Sigriswiler Hügel bietet die Nordseite des Schiffs an einem typischen Nachmittag auf der Fahrt von Interlaken nach Thun das bessere Licht.
Die beiden Interlaken-Bahnhöfe nicht verwechseln. Jedes Schiff auf dem Thunersee legt ab Interlaken West ab. Wer mit dem Zug aus Grindelwald oder Lauterbrunnen über Interlaken Ost ankommt, sollte den Fussweg oder eine kurze lokale Zugfahrt nach West vor der geplanten Abfahrt des Schiffs einplanen.
Mit der Altstadt kombinieren. Die Altstadt von Thun mit ihrem erhöhten Laubengang über den Ladenfronten und dem Schloss auf dem Hügel darüber ist vom Bootsanleger aus in 5 Minuten zu Fuss erreichbar – siehe den Guide zu Thuns Altstadt und Schloss für Prioritäten, wenn die Rückfahrt nur ein bis zwei Stunden entfernt ist.
Beide Seen an einem Tag. Wer Thuner- und Brienzersee am selben Tag unterbringen möchte, sollte zuerst den Guide zur Zwei-Seen-Rundfahrt lesen – die Logistik des Wechsels von Interlaken West nach Interlaken Ost mitten am Tag ist die eigentliche Einschränkung, nicht die Fahrzeiten selbst. Für eine langsamere Version über mehrere Tage baut die Route “Zwei Seen und Dörfer” einen vollen Tag pro See ein.
Baden am Ufer. Mehrere Haltestellen, insbesondere Spiez und Faulensee, liegen neben öffentlichen Seezugängen, die sich im Sommer gut zum Baden eignen; siehe Baden im Thuner- und Brienzersee für Wassertemperaturen und die besseren öffentlichen Stellen.
Für Reisende, die sich zwischen den beiden Seen entscheiden müssen, statt beide zu besuchen, zeigt Thunersee versus Brienzersee die tatsächlichen Unterschiede auf – der Thunersee hat mehr Schlösser und Dörfer zum Anhalten, der Brienzersee die auffälligere türkise Farbe und die Dampfbahn auf das Rothorn. Wer speziell die historische Dampfschiff-Erfahrung sucht, auf welchem der beiden Seen auch immer, sollte zudem Raddampfer im Berner Oberland lesen, das die Blümlisalp und ihr Gegenstück auf dem Brienzersee behandelt.
Reisende, die zwischen einer Fahrt mit dem Linienschiff und einem Fahrer abwägen, der auch Spiez und die weitere Umgebung abdeckt, greifen vielleicht lieber zu einem privaten Tagesausflug von Interlaken nach Thun und Spiez, der ganz ohne Fahrplan auskommt, dafür zu einem festen Tagespreis.
Häufig gestellte Fragen zur Schifffahrt auf dem Thunersee
Wer betreibt die Schiffe auf dem Thunersee?
Die BLS Schifffahrt, dasselbe Unternehmen, das auch die Züge zwischen Bern und Interlaken betreibt, führt die Flotte auf dem Thunersee unter der Schifffahrtsgesellschaft des Thunersees. Die Schiffe legen ab Interlaken West ab, nicht ab Interlaken Ost – ein Punkt, der Reisende überrascht, die einen einzigen Bahnhof für alles erwarten.
Was ist die Blümlisalp und wann fährt sie?
Die Blümlisalp ist ein kohlebefeuerter Raddampfer, Baujahr 1906, betriebsfähig restauriert und heute der letzte seiner Art auf dem Thunersee. Sie verkehrt nach einem reduzierten Fahrplan, überwiegend an Wochenenden und Feiertagen von Mai bis Oktober, und fährt im Winter gar nicht. Vor einem gezielten Ausflug mit dem Dampfer lohnt sich also ein Blick auf den Tagesfahrplan.
Lohnt sich eine Tageskarte für den Thunersee?
Wer mehr als zweimal ein- und aussteigen möchte oder das Schiff mit der Beatenberg-Bahn kombiniert, fährt mit der Tageskarte meist günstiger als mit Einzeltickets. Für eine einzelne Fahrt in eine Richtung, etwa von Interlaken nach Thun ohne Zwischenhalt, ist ein normales Punkt-zu-Punkt-Ticket günstiger.
Verkehren die Schiffe das ganze Jahr über auf dem Thunersee?
Nein. Der volle Fahrplan mit allen Haltestellen und dem Raddampfer gilt etwa von April bis Oktober. Von November bis März schrumpft das Angebot auf wenige tägliche Fahrten auf der Hauptstrecke Thun–Interlaken, mehrere Zwischenstationen schliessen für den Winter, und die Blümlisalp fährt nicht.
Kann ich das Schiff mit der Niederhorn-Bahn kombinieren?
Ja. Die übliche Kombination ist: Schiff bis Beatenbucht, die Standseilbahn hinauf nach Beatenberg und von dort die Niederhornbahn. Vor der Abfahrt lohnt sich ein Blick auf die Anschlusszeiten, da die Standseilbahn nicht durchgehend fährt und ein verpasster Anschluss eine Wartezeit von 30 bis 60 Minuten bedeuten kann.
Deckt der Swiss Travel Pass die Schiffe auf dem Thunersee ab?
Ja, der Swiss Travel Pass deckt die Schifffahrt auf dem Thunersee in der gebuchten Klasse ab, ebenso der Berner Oberland Pass. Eine Half Fare Card gewährt 50% Ermässigung auf Tickets und die Tageskarte, macht die Fahrt aber nicht kostenlos.
Wo halten die Schiffe tatsächlich?
Die wichtigsten Haltestellen sind Interlaken West, Neuhaus, Beatenbucht, Merligen, Gunten, Sigriswil (Seite Gunten), Oberhofen, Hilterfingen, Thun sowie am Südufer Spiez, Faulensee, Leissigen und Därligen. Nicht jede Fahrt hält an jeder Station, daher lohnt sich vor dem Einsteigen ein Blick auf die Route der jeweiligen Abfahrt.
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