Thunersee oder Brienzersee: welcher passt zu Ihrem Tag?
Was ist besser, der Thunersee oder der Brienzersee?
Der Brienzersee hat klareres, helleres türkisfarbenes Wasser und steilere Berghänge und gewinnt damit bei Landschaft und Baden. Der Thunersee hat mehr Ortschaften, ein Schloss zum Hineingehen und häufigere Boote nahe Interlaken und punktet damit bei Vielfalt und Praktikabilität. Wenn Sie nur Zeit für einen See haben: Brienz für einen kurzen, dramatischen Ausflug, Thun für einen vollen Tag.
Interlaken liegt auf einem Landstreifen zwischen zwei Seen, die einander überhaupt nicht ähneln, und die meisten Besucher merken das erst, wenn sie am Ufer des einen stehen und sich fragen, warum er nicht zur Postkarte passt. Der Thunersee und der Brienzersee liegen zehn Zugminuten auseinander und teilen sich einen Bahnhofsort, doch Wasser, Dörfer und die Art, wie man den Tag verbringt, unterscheiden sich deutlich. Dieser Ratgeber stellt die Unterschiede vor, die für die Planung zählen: Farbe, Temperatur, was am Ufer liegt, und welcher See Ihre knappe Zeit verdient.
Zwei Seen, ein Ort dazwischen
Interlaken bedeutet „zwischen den Seen”, und der Name ist wörtlich zu nehmen. Der Bahnhof Interlaken West liegt zum Thunersee hin; Interlaken Ost, rund zwei Kilometer östlich, liegt zum Brienzersee hin und dient zugleich als Ausgangspunkt für das Jungfraubahn-Netz. Diese Geografie ist der erste praktische Punkt: Für welchen See Sie sich auch entscheiden, Sie starten von einem anderen Bahnhof, und die beiden liegen mit Gepäck nicht bequem zu Fuss auseinander.
| Thunersee | Brienzersee | |
|---|---|---|
| Länge | 17,5 km | 14 km |
| Maximale Tiefe | 217 m | 261 m |
| Wasserfarbe | Tiefes Blaugrün | Türkis, milchig |
| Typische Oberflächentemperatur im August | Untere Zwanzigergrade°C | Obere Zehnergrade°C |
| Hauptort am Ufer | Thun, mit Schloss und Altstadt | Brienz, bekannt für Holzschnitzerei |
| Bootsabfahrten ab Interlaken | Häufig, mehrmals täglich | Häufig, mehrmals täglich |
| Bekannt für | Schlösser, St. Beatus-Höhlen, Spiez | Farbe, Giessbachfälle, Iseltwald |
Farbe: warum Brienz türkis wirkt und Thun blaugrün
Die Farbe des Brienzersees ist das meistfotografierte Motiv im Berner Oberland, und das ist kein Zufall des Lichts. Der See wird grösstenteils von der Aare gespeist, die die Gletscher rund um Grimsel- und Sustenpass entwässert und dabei extrem feine Gesteinspartikel, das sogenannte Gletschermehl, mit sich führt. Im Wasser schwebend streuen diese Partikel das Sonnenlicht so, dass das milchige Türkis entsteht, das man von Iseltwald, Giessbach und den Booten aus sieht. Der Effekt ist von Juni bis September am stärksten, wenn die Gletscherschmelze ihren Höhepunkt erreicht, und ist mit blossem Auge deutlich sichtbar, kein Trick der Bildbearbeitung.
Das Wasser des Thunersees stammt aus ähnlichen glazialen Quellen, hatte aber mehr Zeit, sich zu setzen, bis es den See erreicht, und der See selbst ist an den Rändern flacher, sodass er als klareres, tieferes Blaugrün erscheint statt als das opake Türkis von Brienz. Keine Farbe ist per se besser, doch wenn das Postkartenfoto Priorität hat, ist Brienz der See dafür.
Wassertemperatur und Baden
Beide Seen sind im Sommer badetauglich und verfügen über richtige öffentliche Badestellen, nicht nur ein Stück Wiese. Der Thunersee ist an der Oberfläche meist ein bis zwei Grad wärmer, begünstigt durch flachere Uferbereiche an Stellen wie Spiez und Hilterfingen. Der Brienzersee, direkter durch Gletscher gespeist, behält auch im August eine leichte Kühle, besonders wenige Meter vom Ufer entfernt, wo die Tiefe rasch zunimmt. Keiner der beiden Seen ist für ein Sommerbad unangenehm kalt, doch wer nach Komfort statt Landschaft entscheidet, für den liegt Thun leicht vorn.
Für einen ausführlicheren Blick auf die Temperaturen im Monatsverlauf und die besten offiziellen Badestellen an beiden Ufern siehe Baden im Thunersee und Brienzersee.
Dörfer und Orte an beiden Seen
Rund um den Thunersee
Das Ufer des Thunersees ist bebauter und abwechslungsreicher. Thun selbst, am Ausfluss des Sees, hat eine richtige Altstadt mit einem Schloss auf dem Hügel, in das man hineingehen kann, anders als bei den meisten Schweizer Seeorten, die nur den Blick darauf bieten. Spiez, Haltestelle der GoldenPass-Linie ebenso wie der Boote, hat ein eigenes Uferschloss und Rebterrassen.
Oberhofen und Hilterfingen liegen sich fast gegenüber, jeweils mit eigenem, vom Wasser aus sichtbarem Schloss, und Sigriswil und Merligen am Nordufer sind ruhiger, mit den St. Beatus-Höhlen einen kurzen Fussweg von der Bootsanlegestelle Merligen entfernt.
Rund um den Brienzersee
Das Ufer des Brienzersees ist steiler und weniger erschlossen. Brienz am fernen Ende ist bekannt für Holzschnitzerwerkstätten und Geigenbau und zugleich Endstation der Brienz Rothorn-Dampfzahnradbahn, der letzten ihrer Art in der Schweiz. Näher an Interlaken sind Iseltwald und Giessbach die beiden Namen, die am häufigsten fallen: Iseltwald ist ein kleines Fischerdorf, dessen Bootssteg nach einem Auftritt in einer koreanischen Fernsehserie unverhältnismässig berühmt wurde, und Giessbach ist ein Wasserfall, der direkt in den See stürzt, neben einer restaurierten Standseilbahn und einem grossen Hotel aus dem neunzehnten Jahrhundert.
Bootsfahrten im Vergleich
Beide Seen werden vom gleichen Betreiber, der BLS Schifffahrt, bedient und verkehren im Sommerfahrplan mit häufigen Abfahrten, im Winter reduziert. Der Unterschied liegt darin, woran man vorbeifährt.
Eine vollständige Rundfahrt auf dem Thunersee mit Halt in Spiez, Thun, Oberhofen und Hilterfingen dauert rund zwei Stunden und funktioniert gut als Sightseeing-Runde mit eingebautem Schlossbesuch. Eine einfache Überfahrt über den Brienzersee nach Brienz dauert rund eine Stunde und dreht sich mehr um das Wasser selbst und den Halt in Giessbach als um eine Kette von Ortschaften zum Aussteigen.
Für einen flexiblen Tag mit Ein- und Aussteigen entlang des Thunersee-Ufers lohnt sich der Tagespass für unbegrenzte Bootsfahrten auf dem Thunersee günstiger als Einzeltickets, sobald man mehr als zwei Etappen plant. Wer sich nicht vorab festlegen möchte, auf welchem See man am Ende fährt, dem nimmt ein Tagesticket für Bootsfahrten auf Thunersee und Brienzersee diese Entscheidung ab, zu einem Preis, der günstiger ist als getrennte Tickets für jeden See.
Die Preise pro Kilometer sind auf beiden Seen ähnlich: Eine kurze Strecke von ein bis zwei Halten kostet rund CHF 15 bis 20, eine vollständige Rundfahrt liegt typischerweise bei CHF 45 bis 60 je nach Route, vor Passrabatt. Der Swiss Travel Pass deckt die Boote beider Seen vollständig ab, wer ihn bereits besitzt, muss also nichts zusätzlich buchen.
Für eine ausführlichere Übersicht zu Routen, Fahrplänen und den eingesetzten Schiffstypen siehe Bootsfahrten auf dem Thunersee und Bootsfahrten auf dem Brienzersee, oder den kombinierten Zwei-Seen-Kreuzfahrt-Ratgeber, wenn Sie beide an einem Tag schaffen möchten.
Eine geführte Möglichkeit, die Highlights zu sehen
Wer die Stopps und Verbindungen nicht selbst planen möchte, findet in einigen festen Routenangeboten die wichtigsten Sehenswürdigkeiten abgedeckt, ohne den Bootsfahrplan selbst berechnen zu müssen. Die Thunersee-Kreuzfahrt mit den St. Beatus-Höhlen und einem Picknick-Stopp bündelt die Schloss- und Höhlen-Seite des Thunersees in einem halben Tag. Auf der Brienz-Seite ist die Quad-Tour nach Iseltwald und ans Ufer des Brienzersees ein schnellerer, landgestützter Weg zu denselben Aussichtspunkten, die auch die Boote bedienen, nützlich, wenn der Bootsfahrplan nicht in den Tag passt.
Aktivitäten auf und rund um das Wasser
Das flachere, geschütztere Wasser des Thunersees und sein längerer, gut zugänglicher Uferabschnitt machen ihn zur etablierteren Basis für Stand-up-Paddling und lockeres Kajakfahren nahe der Stadt, und seine wärmere Temperatur macht das Baden über längere Zeit angenehmer.
Das kältere, klarere Wasser des Brienzersees und die steileren Uferabbrüche eignen sich für Kajak und Paddling für alle, die Landschaft dem Komfort vorziehen; siehe Kajak und SUP auf dem Brienzersee für Einstiegsstellen. Beide Seen werden von klassischen Raddampfer-Kreuzfahrten auf restaurierten Schiffen befahren; Geschichte und aktuelle Routen dieser Boote sind beschrieben in Raddampfer des Berner Oberlands.
Auch das Wandern am Ufer unterscheidet sich. Der Weg von Giessbach entlang des Brienzersees ist kurz, gut ausgeschildert und endet an einem echten Wasserfall, beschrieben in Giessbachfälle und der Uferweg. Die Uferwege am Thunersee sind länger und flacher, besser geeignet für einen gemütlichen Spaziergang zwischen den Dörfern als für ein einzelnes dramatisches Ziel.
Schlösser und Sehenswürdigkeiten vom Wasser aus
Hier gewinnt der Thunersee klar. Schloss Thun, Schloss Spiez und Schloss Oberhofen sind allesamt vom Boot aus sichtbar und können alle drei besichtigt werden, was dem Thunersee eine Reihe gebauter Sehenswürdigkeiten verleiht, die der Brienzersee schlicht nicht hat. Die entsprechende Attraktion des Brienzersees ist natürlicher, nicht gebauter Art: die Giessbachfälle, die Rothorn-Dampfbahn und das Wasser selbst. Wenn Ihnen Schlösser und gebaute Geschichte wichtig sind, ist Thun die stärkere Wahl; wenn Sie Landschaft bei weniger Stopps möchten, ist es Brienz.
Welcher See für Ihren Tagesausflug
Wenn Sie einen ganzen Tag Zeit haben und Abwechslung möchten, verbringen Sie ihn am Thunersee: eine Bootsfahrt nach Spiez oder Thun, ein Schlossbesuch, Mittagessen am Wasser und ein Bad, wenn das Wetter mitspielt. Wenn Sie nur einen halben Tag haben und die Landschaft möchten, die das Berner Oberland auf Fotos berühmt macht, nehmen Sie die kurze Überfahrt nach Iseltwald oder Giessbach am Brienzersee. Wenn Sie sich wirklich nicht entscheiden können, macht der Ort dazwischen es leicht, etwas von beidem zu sehen: ein morgendliches Bad oder eine kurze Bootsfahrt an einem See und ein Nachmittag in einem Dorf oder Schloss am anderen, ganz ohne Auto oder mehr als einen Bahnhofswechsel.
Für einen fertigen Plan, der genau das umsetzt, siehe die Zwei-Seen-und-Dörfer-Reiseroute, oder lesen Sie warum der Brienzersee diese Farbe hat und der Iseltwald-Effekt, um mehr darüber zu erfahren, warum ein kleines Dorf am Brienzersee inzwischen mehr Andrang bekommt als Orte, die um ein Vielfaches grösser sind.
Thunersee und Brienzersee: Ihre Fragen beantwortet
Welcher See ist zum Baden wärmer?
Der Thunersee, meist um ein bis zwei Grad, dank flacherer Uferbereiche und stärkerer direkter Sonneneinstrahlung nahe Interlaken und Spiez.
Kann man in beiden Seen schwimmen?
Ja, beide verfügen über offizielle öffentliche Badestellen mit Umkleiden, wobei der Brienzersee auch im August spürbar kälter bleibt.
Welcher hat die besseren Bootsfahrten?
Der Thunersee hat mehr Halte und mehr gebaute Sehenswürdigkeiten unterwegs; der Brienzersee hat weniger Stopps, dafür dramatischere Landschaft vom Deck aus.
Ist die Farbe des Brienzersees echt?
Ja, sie stammt von feinem Gletschersediment im Wasser und ist von Juni bis September am stärksten.
Welcher See liegt näher an Interlaken?
Beide berühren den Ort direkt: Interlaken West liegt zum Thunersee, Interlaken Ost zum Brienzersee.
Kann man beide Seen an einem Tag besuchen?
Ja, die meisten Besucher kombinieren eine kurze Fahrt an jedem See, statt eine vollständige Rundfahrt auf beiden zu versuchen, was allein für die Boote fast einen ganzen Tag beanspruchen würde.
Welcher ist ruhiger?
Die Nordufer-Dörfer des Thunersees wie Sigriswil und Merligen sind meist ruhiger als Iseltwald am Brienzersee, das trotz seiner Grösse zu einem belebten Ziel geworden ist.
Sind die Boote im Swiss Travel Pass enthalten?
Ja, auf beiden Seen. Die Hotel-Gästekarte von Interlaken deckt die Seeboote nicht ab.
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